OpenAI vs. Social Media: Was „Wir optimieren nicht für Time spent“ für Ihre Werbung bedeutet
OpenAI verzichtet bewusst auf Time‑spent‑Optimierung. Was Marketer daraus für Werbung auf TikTok, Instagram & Facebook lernen können – weg von Attention-Falle, hin zu Vertrauen.
Einleitung
OpenAI schreibt in seinem aktuellen Ansatz zur Werbung:
„Long-term value: We do not optimize for time spent in ChatGPT. We prioritize user trust and user experience over revenue.“
Das ist radikal anders als bei Social Networks, deren Geschäftsmodell direkt an maximaler Verweildauer hängt. Algorithmen von TikTok, Instagram oder Facebook sind so gebaut, dass Nutzer möglichst lange in der App bleiben – weil jede zusätzliche Minute mehr Werbeimpressionen bedeutet. Studien zeigen: In Deutschland verbringen Menschen im Schnitt rund 1 Stunde 41 Minuten pro Tag auf Social Media, TikTok hat die höchste Verweildauer aller Plattformen. We Are Social / DataReportal 2025, DataReportal Digital 2025 Germany.
Damit prallen zwei Welten aufeinander: Attention-Maximierung vs. Vertrauens- und Nutzenorientierung.
Warum „Time spent“ als KPI Marken auf Social Networks in die Irre führt
Social Networks sind optimierte Aufmerksamkeitsmaschinen:
Ziel der Plattformen:
1. Maximale Sitzungsdauer, mehr Sessions pro Tag, höhere Retention
2. Direkte Monetarisierung über mehr Ad Impressions und höhere Auktionserlöse
Mittel der Plattformen:
1. Endlos-Feeds (Infinite Scroll), Autoplay, personalisierte Feeds, Push-Notifications
2. Algorithmen, die Inhalte nach Watchtime, Interaktionen und Rückkehr-Wahrscheinlichkeit sortieren
Ein Positionspapier des Rats für Digitale Ökologie beschreibt TikTok explizit als System, das mit kurzen, stark personalisierten Videos „Dopamin-Loops“ erzeugt und damit Verweildauer und Werbekontakte maximiert.
Die ARD/ZDF‑Medienstudie 2025 bestätigt: Social Media erreicht in Deutschland 63 % der Bevölkerung wöchentlich; Video-Formate wie Reels und TikTok dominieren vor allem bei Jüngeren – mit deutlich längerer täglicher Nutzung.
Für Werbetreibende hat das zwei Konsequenzen:
1. Ihre Anzeigen werden in einem Umfeld ausgeliefert, das auf Sucht-ähnliche Nutzung optimiert ist. Mehr „Time spent“ heisst nicht automatisch mehr Markenvertrauen – im Gegenteil: Reizüberflutung, „Scroll-Fatigue“ und Werbeblindheit nehmen zu.
2. Wenn Sie Ihre Kampagnen-KPIs an die Plattformlogik anlehnen (Viewtime, Engagement um jeden Preis), laufen Sie Gefahr, dieselbe Falle zu reproduzieren.
a) Kampagnen werden auf Klicks, Views und Watchtime optimiert
b) Qualität der Interaktion, Problem-Lösung oder tatsächliche Conversion geraten in den Hintergrund
Die Metricool Social Media Study 2025 (über 1 Mio. Accounts / 21 Mio. Posts) zeigt: Algorithmen belohnen Video- und Reels-Formate mit hoher Watchtime – Engagement-Raten verschieben sich zugunsten von Inhalten, die Aufmerksamkeit möglichst lange binden, nicht unbedingt zugunsten jener, die echten Mehrwert bieten.
OpenAI setzt hier bewusst einen Kontrapunkt: Nicht Time spent, sondern Vertrauen und Nutzererlebnis stehen im Zentrum. Für Marketer ist das ein Warnsignal, die eigenen KPIs kritisch zu hinterfragen.
Was Marketer konkret von OpenAIs Ansatz für Social Ads lernen können
Aus dem OpenAI-Statement lassen sich klare Prinzipien für Social‑Advertising ableiten – insbesondere auf Plattformen, die algorithmisch auf Attention-Maximierung getrimmt sind.
1. KPI-Wechsel: von „Wie lange?“ zu „Was gebracht?“
Statt:
- durchschnittliche Viewtime pro Video
- Time spent pro Session
- reine Engagement-Rate (Likes, Shares)
stärker gewichten: - „Problem gelöst“-Metriken:
- Anteil der Nutzer, die eine klare Information gefunden, ein Tool genutzt oder ein Formular sinnvoll ausgefüllt haben
- Qualitative Conversions: Scroll‑Tiefe auf Landingpages, Interaktion mit Produkt- oder Spendentool, wiederkehrende Besuche
- Vertrauensindikatoren: Marken-Sentiment, Newsletter‑Opt‑ins, wiederkehrende Direct‑Visits
Praktisch: In Kampagnen-Setups Meta/TikTok bewusst nicht nur auf „Videoaufrufe“ oder „ThruPlays“ optimieren, sondern, wo möglich, auf Conversion-Events, Lead‑Events oder qualitativ saubere Micro-Conversions.
2. Kreativstrategie: vom Attention-Hook zum Value-Hook
Social‑Algorithmen belohnen Hooks in den ersten Sekunden. Die Frage ist: Wofür nutzen Sie diesen Hook?
Attention-Modus (Plattformlogik):
extrem polarisierende Thesen
Clickbait, künstliche Verknappung, starker emotionaler Druck
Ziele: möglichst viele Sekunden im Video halten
Value-Modus (OpenAI‑Logik):
in den ersten 2–3 Sekunden klar sagen, welches Problem Sie lösen
nützliche Info, klare Anleitung, ehrlicher Call-to-Action
Ziel: Nutzer sollen schnell entscheiden können – „Das brauche ich“ oder „Weiter scrollen“
Beispiel für einen Value‑Hook in einem TikTok/Instagram Reel:
„In 30 Sekunden sehen Sie, ob Ihre Spendenkampagne auf Facebook gerade Geld verbrennt – und wie Sie es heute ändern.“
3. Plattform nutzen, aber Logik nicht unkritisch kopieren
Studien wie We Are Social / DataReportal 2025 zeigen: TikTok, Instagram und Facebook bleiben im DACH‑Raum extrem reichweitenstark, trotz gewisser Sättigung. Für Marken heisst das:
Ja, Sie sollten diese Plattformen für Reichweite und Traffic nutzen.
Nein, Sie sollten Ihre Marke nicht wie eine Plattform bauen, die auf Suchtzyklen basiert.
Konkret:
- Frequenzy Caps bewusst setzen, um Überexposition zu vermeiden
- Kampagnenlaufzeiten und Creatives rotieren, statt denselben „Attention‑Banger“ monatelang durchzudrücken
- Owned Channels (Website, Newsletter, eigene KI‑Assistants/Chatbots) als Orte positionieren, an denen Nutzer nicht „festgehalten“, sondern effizient unterstützt werden
4. Langfristige Wertschaffung messen – nicht nur Kampagnen-ROAS
Eine Kampagne mit etwas niedrigerem CTR, aber:
- höherem Anteil qualifizierter Leads
- weniger Abbrüchen im Funnel
besseren Wiederkehrraten
ist im Sinne von OpenAIs „Long-term value“-Logik wertvoller als ein „viraler“ Spot, der zwar Time spent generiert, aber kein Vertrauen aufbaut.
Fazit & Handlungsempfehlung (TL;DR)
- Time spent ist für Plattformen, nicht für Marken.
Social-Media-Anbieter optimieren ihre Algorithmen auf maximale Verweildauer und Werbeeinblendungen. Als Marke sollten Sie andere Ziele verfolgen. - Orientieren Sie sich an OpenAIs „Trust first“-Prinzip.
Setzen Sie KPIs, die tatsächlichen Problemlösungs- und Vertrauenswert messen – nicht nur Watchtime und oberflächliches Engagement. - Gestalten Sie Social Ads als schnelle, hilfreiche Assistenten – nicht als Endlos-Ablenkung.
Klare Value‑Hooks, nützliche Inhalte, saubere Übergänge in Ihre eigenen Kanäle. - Nutzen Sie Plattformalgorithmen bewusst, aber nicht blind.
Testen Sie kreative Ansätze, die Aufmerksamkeit und Klarheit liefern – und messen Sie ihre Wirkung im Funnel, nicht nur im Feed. - CTA: Wenn Sie Ihre Social‑Ads-Strategie weg von der Attention-Falle und hin zu mehr Vertrauen und langfristigem Wert entwickeln wollen, lassen Sie uns sprechen:
Jetzt Kontakt aufnehmen oder per Mail an [email protected]
Quellen:
Our approach to advertising and expanding access – OpenAI – openai.com – Juni 2024 – OpenAI
TikTok – Digitale Suchtmaschine? Positionspapier – Rat für Digitale Ökologie – ratfuerdigitaleoekologie.org – 2024 – PDF; kritische Analyse, wie TikTok-Algorithmen Verweildauer und Werbeumsatz über Nutzerwohl stellen.
Social Media zwischen Wachstum und Sättigung – ARD/ZDF‑Medienstudie 2025 – media-perspektiven.de – 2025 – Media Perspektiven; Reichweiten und Nutzungszeit von Social Media in Deutschland.
Digital 2025: Wie Deutschland Social Media nutzt – We Are Social / DataReportal – wearesocial.com – Februar 2025 – We Are Social; Nutzungsdauer, Reichweite und Ad-Potenziale von TikTok, Instagram, Facebook.
Social Media Study 2025 – Metricool – metricool.com – 2025 – Metricool Study 2025; Auswertung von >1 Mio. Accounts zu Algorithmus-Logik, Formaten und Engagement-Raten.