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21. Dezember 2024

OpenAI vs. Social Media: Was 'Wir optimieren nicht für Time spent' für Ihre Werbung bedeutet

OpenAI optimiert nicht für Verweildauer, Social Networks dagegen schon. Was das für Ihre Werbe-KPIs und Kreativstrategie bedeutet.

OpenAI schreibt in seinem aktuellen Ansatz zur Werbung: 'Long-term value: We do not optimize for time spent in ChatGPT. We prioritize user trust and user experience over revenue.' Das ist radikal anders als bei Social Networks, deren Geschäftsmodell direkt an maximaler Verweildauer hängt. Algorithmen von TikTok, Instagram oder Facebook sind so gebaut, dass Nutzer möglichst lange in der App bleiben - weil jede zusätzliche Minute mehr Werbeimpressionen bedeutet. Studien zeigen: In Deutschland verbringen Menschen im Schnitt rund 1 Stunde 41 Minuten pro Tag auf Social Media, TikTok hat die höchste Verweildauer aller Plattformen. (We Are Social / DataReportal 2025, DataReportal Digital 2025 Germany.)

Damit prallen zwei Welten aufeinander: Attention-Maximierung vs. Vertrauens- und Nutzenorientierung.

Warum 'Time spent' als KPI Marken auf Social Networks in die Irre führt

Social Networks sind optimierte Aufmerksamkeitsmaschinen. Ziel der Plattformen: Maximale Sitzungsdauer, mehr Sessions pro Tag, höhere Retention sowie direkte Monetarisierung über mehr Ad Impressions und höhere Auktionserlöse. Mittel der Plattformen: Endlos-Feeds (Infinite Scroll), Autoplay, personalisierte Feeds, Push-Notifications sowie Algorithmen, die Inhalte nach Watchtime, Interaktionen und Rückkehr-Wahrscheinlichkeit sortieren.

Ein Positionspapier des Rats für Digitale Ökologie beschreibt TikTok explizit als System, das mit kurzen, stark personalisierten Videos 'Dopamin-Loops' erzeugt und damit Verweildauer und Werbekontakte maximiert. Die ARD/ZDF-Medienstudie 2025 bestätigt: Social Media erreicht in Deutschland 63 % der Bevölkerung wöchentlich; Video-Formate wie Reels und TikTok dominieren vor allem bei Jüngeren - mit deutlich längerer täglicher Nutzung.

Für Werbetreibende hat das zwei Konsequenzen: Erstens werden Ihre Anzeigen in einem Umfeld ausgeliefert, das auf Sucht-ähnliche Nutzung optimiert ist. Mehr 'Time spent' heisst nicht automatisch mehr Markenvertrauen - im Gegenteil: Reizüberflutung, 'Scroll-Fatigue' und Werbeblindheit nehmen zu. Zweitens laufen Sie, wenn Sie Ihre Kampagnen-KPIs an die Plattformlogik anlehnen (Viewtime, Engagement um jeden Preis), Gefahr, dieselbe Falle zu reproduzieren: Kampagnen werden auf Klicks, Views und Watchtime optimiert, während Qualität der Interaktion, Problem-Lösung oder tatsächliche Conversion in den Hintergrund geraten.

Die Metricool Social Media Study 2025 (über 1 Mio. Accounts / 21 Mio. Posts) zeigt: Algorithmen belohnen Video- und Reels-Formate mit hoher Watchtime - Engagement-Raten verschieben sich zugunsten von Inhalten, die Aufmerksamkeit möglichst lange binden, nicht unbedingt zugunsten jener, die echten Mehrwert bieten. OpenAI setzt hier bewusst einen Kontrapunkt: Nicht Time spent, sondern Vertrauen und Nutzererlebnis stehen im Zentrum. Für Marketer ist das ein Warnsignal, die eigenen KPIs kritisch zu hinterfragen.

Was Marketer konkret von OpenAIs Ansatz für Social Ads lernen können

1. KPI-Wechsel: von 'Wie lange?' zu 'Was gebracht?'

Statt durchschnittlicher Viewtime pro Video, Time spent pro Session oder reiner Engagement-Rate (Likes, Shares) stärker gewichten: 'Problem gelöst'-Metriken (Anteil der Nutzer, die eine klare Information gefunden, ein Tool genutzt oder ein Formular sinnvoll ausgefüllt haben), qualitative Conversions (Scroll-Tiefe auf Landingpages, Interaktion mit Produkt- oder Spendentool, wiederkehrende Besuche) sowie Vertrauensindikatoren (Marken-Sentiment, Newsletter-Opt-ins, wiederkehrende Direct-Visits). Praktisch: In Kampagnen-Setups Meta/TikTok bewusst nicht nur auf 'Videoaufrufe' oder 'ThruPlays' optimieren, sondern, wo möglich, auf Conversion-Events, Lead-Events oder qualitativ saubere Micro-Conversions.

2. Kreativstrategie: vom Attention-Hook zum Value-Hook

Social-Algorithmen belohnen Hooks in den ersten Sekunden. Die Frage ist: Wofür nutzen Sie diesen Hook? Attention-Modus (Plattformlogik): extrem polarisierende Thesen, Clickbait, künstliche Verknappung, starker emotionaler Druck, Ziel möglichst viele Sekunden im Video halten. Value-Modus (OpenAI-Logik): in den ersten 2-3 Sekunden klar sagen, welches Problem Sie lösen, nützliche Info, klare Anleitung, ehrlicher Call-to-Action, Ziel Nutzer sollen schnell entscheiden können - 'Das brauche ich' oder 'Weiter scrollen'. Beispiel für einen Value-Hook: 'In 30 Sekunden sehen Sie, ob Ihre Spendenkampagne auf Facebook gerade Geld verbrennt - und wie Sie es heute ändern.'

3. Plattform nutzen, aber Logik nicht unkritisch kopieren

Studien wie We Are Social / DataReportal 2025 zeigen: TikTok, Instagram und Facebook bleiben im DACH-Raum extrem reichweitenstark. Ja, Sie sollten diese Plattformen für Reichweite und Traffic nutzen. Nein, Sie sollten Ihre Marke nicht wie eine Plattform bauen, die auf Suchtzyklen basiert. Konkret: Frequency Caps bewusst setzen, Kampagnenlaufzeiten und Creatives rotieren, Owned Channels (Website, Newsletter, eigene KI-Assistants/Chatbots) als Orte positionieren, an denen Nutzer nicht 'festgehalten', sondern effizient unterstützt werden.

4. Langfristige Wertschaffung messen - nicht nur Kampagnen-ROAS

Eine Kampagne mit etwas niedrigerem CTR, aber höherem Anteil qualifizierter Leads, weniger Abbrüchen im Funnel und besseren Wiederkehrraten ist im Sinne von OpenAIs 'Long-term value'-Logik wertvoller als ein 'viraler' Spot, der zwar Time spent generiert, aber kein Vertrauen aufbaut.

Fazit & Handlungsempfehlung (TL;DR)

Time spent ist für Plattformen, nicht für Marken. Social-Media-Anbieter optimieren ihre Algorithmen auf maximale Verweildauer und Werbeeinblendungen. Als Marke sollten Sie andere Ziele verfolgen.

Orientieren Sie sich an OpenAIs 'Trust first'-Prinzip. Setzen Sie KPIs, die tatsächlichen Problemlösungs- und Vertrauenswert messen - nicht nur Watchtime und oberflächliches Engagement.

Gestalten Sie Social Ads als schnelle, hilfreiche Assistenten - nicht als Endlos-Ablenkung. Klare Value-Hooks, nützliche Inhalte, saubere Übergänge in Ihre eigenen Kanäle.

Nutzen Sie Plattformenalgorithmen bewusst, aber nicht blind. Testen Sie kreative Ansätze, die Aufmerksamkeit und Klarheit liefern - und messen Sie ihre Wirkung im Funnel, nicht nur im Feed.

Quellen: Our approach to advertising and expanding access - OpenAI - Juni 2024 | TikTok - Digitale Suchtmaschine? Positionspapier - Rat für Digitale Ökologie - 2024 | Social Media zwischen Wachstum und Sättigung - ARD/ZDF-Medienstudie 2025 | Digital 2025: Wie Deutschland Social Media nutzt - We Are Social / DataReportal - Februar 2025 | Social Media Study 2025 - Metricool - 2025

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