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Welche KI darf wofür eingesetzt werden?

Holger von Ellerts
Jan 16, 2026By Holger von Ellerts

Eine klare Entscheidungsregel für Unternehmen

Künstliche Intelligenz ist im Unternehmen angekommen. Nicht als Zukunftsvision, sondern als Produktivitätswerkzeug im Alltag. Gleichzeitig steigen Risiken: Datenabfluss, Fehlentscheidungen, regulatorische Probleme, Reputationsschäden.

Die zentrale Frage für Geschäftsleitungen lautet daher nicht mehr ob KI eingesetzt wird, sondern:

Welche KI darf wofür eingesetzt werden – und wo sind klare Grenzen zu ziehen?

Dieser Artikel liefert eine praxisnahe, 1-seitig denkbare Entscheidungslogik, die in Schweizer Unternehmen sofort anwendbar ist.


KI ist Assistenz – nicht Entscheider


Der wichtigste Grundsatz vorweg:

KI unterstützt Menschen.
Die Verantwortung bleibt immer beim Menschen.

Kein KI-System trifft rechtsverbindliche Entscheide, genehmigt Verträge oder verantwortet fachliche Ergebnisse. KI ist ein Werkzeug – nicht der Entscheidungsträger.


Die 4-Stufen-Entscheidungslogik


Bevor ein KI-Tool eingesetzt wird, müssen vier Fragen eindeutig mit JA beantwortet sein:

  1. Ist die Datenkritikalität geklärt?
    (öffentlich, intern, vertraulich, besonders schützenswert)
  2. Passt das Tool zur Risikoklasse?
    (Governance-stark, leistungsstark oder souverän betrieben)
  3. Ist das Risiko beherrschbar?
    (Fehler, Halluzinationen, Haftung, Reputation)
    4. Ist Kontrolle sichergestellt?
    (Review, Nachvollziehbarkeit, Human-in-the-Loop)

Fällt eine dieser Antworten negativ aus, ist der Einsatz nicht erlaubt.


Welche KI darf wofür eingesetzt werden?


1. Standard-Wissensarbeit (geringes Risiko)


Typische Anwendungen

  • E-Mails, Protokolle, Präsentationen
  • Zusammenfassungen, Textentwürfe

    Erlaubt
  • Enterprise-fähige KI-Assistenten
  • Leistungsstarke Text-KI

    Bedingungen

Keine sensiblen Personendaten
Menschliche Prüfung obligatorisch
Ziel: Produktivität steigern, Risiko minimal halten

2. Fachliche Analyse & anspruchsvolle Textarbeit (mittleres Risiko)


Typische Anwendungen

  • Vertrags- und Policy-Voranalysen
  • Konzepte, technische Dokumentation
  • Management-Vorlagen

    Erlaubt
  • KI mit nachweisbarer Output-Qualität
  • Systeme mit klaren Nutzungsbedingungen

    Pflicht
  • Kennzeichnung „KI-unterstützt“

Fachliche Endfreigabe durch verantwortliche Stelle
Ziel: Qualität erhöhen, Entscheidung vorbereiten – nicht ersetzen


3. Vertrauliche Unternehmensdaten


Typische Anwendungen

  • Finanzdaten
  • HR-Informationen
  • Kunden- und Projektdaten

    Erlaubt
  • Governance-starke Enterprise-Lösungen
  • Souverän betriebene Modelle (eigene Cloud / CH-Hosting)

    Nicht erlaubt

Öffentliche KI-Dienste ohne Datenkontrolle oder Opt-out
Ziel: Nutzen ermöglichen, Datenhoheit behalten


4. Hochregulierte oder besonders schützenswerte Daten


Typische Anwendungen

  • Gesundheitsdaten
  • Bank- und Versicherungsdaten
  • Behördliche oder sicherheitsrelevante Informationen

    Erlaubt
  • Ausschliesslich souverän betriebene KI
  • Klare Audit- und Logging-Pflichten

Zusatzanforderung

  • Dokumentierter Human-in-the-Loop
  • Revisionssichere Nachvollziehbarkeit
    Ziel: Risiko kontrollieren, regulatorische Sicherheit gewährleisten


Klare No-Go-Regeln


Unternehmensweit und ohne Ausnahmen:

❌ KI trifft keine rechtsverbindlichen Entscheide
❌ KI ersetzt keine fachliche Prüfung
❌ Keine sensiblen Daten in nicht freigegebene Tools
❌ Keine „stillen“ Automatisierungen ohne Freigabe
Diese Regeln schützen nicht nur das Unternehmen, sondern auch Mitarbeitende!


Verantwortung klar regeln


Ein funktionierender KI-Einsatz braucht klare Rollen:

  • Geschäftsleitung
    setzt Rahmen, genehmigt Tool-Kategorien
  • IT & Security
    kontrollieren Zugriff, Sicherheit, Logging
  • Fachbereiche
    tragen inhaltliche Verantwortung
  • Mitarbeitende
    nutzen KI bewusst und melden Vorfälle


    Der Merksatz für die Geschäftsleitung:

    Je sensibler die Daten, desto näher muss die KI am Unternehmen betrieben werden. Je grösser die Wirkung einer Entscheidung, desto stärker bleibt der Mensch in der Kontrolle.

- Holger von Ellerts


Fazit

Unternehmen brauchen keine „KI-Strategie auf PowerPoint-Niveau“, sondern klare Entscheidungsregeln. Wer festlegt, welche KI wofür eingesetzt werden darf, schafft Vertrauen, Sicherheit und echten Mehrwert.