Swiss Gazette — das Handelsamtsblatt mehrsprachig durchsuchbar
Das Schweizerische Handelsamtsblatt veröffentlicht täglich amtliche Meldungen — Handelsregister, Betreibungen, Konkurse. Amtlich verfügbar heisst aber nicht nutzbar: Die Publikationen erscheinen einzeln, sind schwer zu filtern und liegen je nach Kanton in unterschiedlichen Sprachen vor. Swiss Gazette macht daraus eine durchsuchbare, viersprachige Oberfläche mit Kantonsfilter. Live unter swissgazette.com.
Eine Rubrik-Schicht statt vier Speziallösungen
Das Handelsamtsblatt kennt viele Rubriken, und jede hat ein eigenes Datenformat. Der naheliegende Weg wäre gewesen, mit der Handelsregister-Rubrik anzufangen und die nächste später danebenzustellen. Wir haben stattdessen zuerst die gemeinsame Schicht gebaut: ein generisches Schema und eine Rubrik-Abstraktion, unter die sich weitere Publikationsarten hängen lassen, ohne die Oberfläche anzufassen. Der Ingest läuft als täglicher Cron-Job und schreibt in eine Neon-Datenbank in Frankfurt. Beim Start standen so 397 Publikationen aus 25 Kantonen mehrsprachig zur Verfügung — nicht als Import, sondern als laufender Zufluss.
Amtlich öffentlich ist nicht dasselbe wie beliebig verwertbar
Betreibungs- und Konkursmeldungen enthalten Namen von Privatpersonen. Dass eine Information amtlich publiziert wird, macht ihre beliebige Weiterverwertung nicht automatisch zulässig — Schuldnernamen aggregiert und dauerhaft durchsuchbar zu machen, ist etwas anderes als ihre befristete amtliche Publikation. Diese Rubriken liegen deshalb hinter einem bewussten Gate und sind nicht Teil der offenen Oberfläche. Dieselbe Zurückhaltung gilt in unserem Zwangsversteigerungs-Feed an anderer Stelle: Objektdaten werden verarbeitet, Schuldnernamen gar nicht erst gespeichert. Datenschutz ist hier kein nachgelagerter Filter, sondern eine Entscheidung im Datenmodell.
Warum das für Mandate relevant ist
Swiss Gazette ist ein kompaktes Beispiel für eine Aufgabenklasse, die in Mandaten ständig auftaucht: eine amtliche oder halbstrukturierte Quelle laufend einlesen, normalisieren, mehrsprachig zugänglich machen — und dabei entscheiden, welche Teile überhaupt offen gezeigt werden dürfen. Die interessanten Fragen sind selten technisch. Sie lauten: Was ist die kleinste gemeinsame Struktur über alle Quellformate? Welche Felder dürfen persistiert werden? Und was passiert, wenn die Quelle ihr Format ändert? Diese Architektur-Entscheidungen bringen wir in Projekte ein, in denen Kunden öffentliche Datenquellen erschliessen wollen.